
Zuerst hatte ich geplant am vergangenen Mittwoch mit dem von Dag in Bergen empfohlenen Postschiff von Trondheim nach Ålesund zu fahren (siehe Karte). Dann hat mich Åsmund – Gastgeber in Trondheim schließlich davon überzeugt am Donnerstag zu fahren. Der entscheidende Grund war nicht, dass er mich unbedingt weiter ertragen wollte, sondern dass an diesem Tag das älteste Schiff – nämlich die MS Nordstjernen von 1950 fährt und es damit “spannender” wird. Es ist erheblich kleiner als die anderen Schiffe der Hurtigruten (“schnelle Route” – der Name der Postschifflinie) und schaukelt damit auch ordentlich wenns mal ein paar Wellen gibt. Also habe ich den Rat befolgt und bin kurz vor 10 am Donnerstag an Bord gegangen. Schönes Boot dachte ich mir. Relativ schnell war dann klar, dass es draußen einen Sturm gibt – nichts schlimmes, aber eben so dass die Besatzung mitten in der 14-stündigen Fahrt angefangen hat alles festzuketten was nicht schon ohnehin fest war. Stühle, Tische, die Kasse und so weiter. Dann haben sie sich irgendwo versteckt und waren lange Zeit nicht mehr zu sehen. Das war kurz bevor wir den Schutz der Schären und Inseln vor der norwegischen Küste verlassen haben – diese sorgen normalerweise für niedrigen Wellengang für Schiffe nahe der Küste. Nun waren wir also auf offener See und schon gings los. Hohe Wellen und ein tierischer Schneesturm – da bin ich natürlich gleich auf Deck gegangen. Ne Weile fand ich das auch echt spannend wie das Schiff nicht nur ordentlich nach vorne und hinten, sondern auch nach links und rechts geschaukelt ist. Sehr authentisch. Eigentlich werde ich nicht so schnell seekrank, aber irgendwann war mir dann doch schon ganz schön schlecht. Bin dann wieder reingegangen und habe festgestellt, dass ein Haufen Zeug durchs Boot geflogen war und alles verstreut auf dem Boden lag. Hab dann ein paar Sachen weggeräumt und die große schaukelnde Glastür des Schaukastens geschlossen, die gefährlich durchsichtig durch den Gang wehte… Nach ner dreiviertel Stunde war mir dann schon ordentlich schlecht, aber letztendlich hab ichs überlebt und bin wohlbehalten in Ålesund abgekommen.
In Ålesund haben mich Angelica, Nova, Daniel und Marcus aufgenommen. Vier Schweden die sich in Ålesund ein Haus gemietet haben um dort für eine Weile Geld zu verdienen, da die Gehälter im teuersten Land der Welt eben auch ziemlich hoch sind. Fast alle planen große Reisen mit der Kohle. Das Haus, war relativ zentral und fast am Meer – schön im bereits gewohnten Hippie-Style mit allem drum und dran – sogar mit zwei kleinen Katzen, nur wenige Monate alt. Wenn man sich zum Gammeln aufs Sofa legt, liegen die Sekunden später auf dir drauf und machen das gleiche. Sehr lässige und verspielte Tiere.
Marcus und Nova mixen Trance auf Festivals – und das haben sie auch ordentlich kräftig tagsüber gemacht. Alles in allem eine sehr besondere, aber schöne Atmosphäre. Und die ganze Zeit Schwedisch im Ohr…
Den Freitag habe ich genutzt um nach einem ausgiebigen, wunderbaren Frühstück mit den Mitbewohnern die Stadt zu erkunden. Ålesund wird auch die “Stadt des Jugendstils” genannt – da sie 1904 abgebrannt ist und unter Hilfe von Kaiser Wilhelm II (großer Norwegen-Freund) im Jugendstil wieder aufgebaut wurde. Sie liegt umgeben von Fjorden und hohen Bergen. Sie dir die Bilder vom Hausberg aus an – wirklich beeindruckende Landschaft; eine wirklich schöne Stadt. Während der ganzen Zeit hat es unglaublich viel geschneit – mehr als all die Jahre zuvor, wodurch alles noch einmal viel heller und ruhiger wirkt.
Am Freitag Abend waren wir in der Stadt unterwegs- wir haben Freunde besucht uns in verschiedenen schönen Bars aufgehalten. Vorher hatten wir der Finanzen halber schon etwas zuhause getrunken. Im Supermarkt haben wir das billigste Bier für 2,50€ die Dose gekauft. Und das war so furchtbar, dass ich irgendwann einfach wieder aufgehört habe. Vortrinken heißt bei den Norwegern übrigens wörtlich “Vorspiel”. Und es gibt auch ein “Nachspiel”, weil um 3 Sperrstunde ist. Dann gehen alle zu wildfremden Leuten und feiern weiter.
Gestern Mittag habe ich mich dann verabschiedet und bin mit dem Bus von Ålesund nach Åndalsnes gefahren. Von dort aus fährt dann ein Zug weiter nach Oslo, da es in den Zipfel von Ålesund keine Züge gibt. Erst dachte ich, das wird eine ganz normale Busfahrt – und dann war es eine der schönsten Busfahrten die ich je erlebt habe. Immer entlang der Fjorde – wobei sich die Sonne gerade mal über die Berge gequält hatte und ich seit langem mal wieder direktes Sonnenlicht gesehen habe. Sehr sehr schön, leider gibts wegen der Spiegelei keine Bilder von der Busfahrt.
Jetzt bin ich wieder in Oslo und werd gleich mal mein neues Bett aufbauen. Gerade sinds draußen -13° , ich bin ein bisschen erkältet vom aufmbootimschneesturmstehen und muss morgen das erste mal arbeiten – worauf ich mich schon freue. Alles Gute in die Heimat und sonstwohin.